{"id":21976,"date":"2023-08-29T09:00:00","date_gmt":"2023-08-29T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.act-translations.com\/uebersetzungsfehler-politische-uebersetzungen\/"},"modified":"2023-08-29T09:00:00","modified_gmt":"2023-08-29T07:00:00","slug":"uebersetzungsfehler-politische-uebersetzungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.act-translations.com\/de-ch\/uebersetzungsfehler-politische-uebersetzungen\/","title":{"rendered":"5 Fatale \u00dcbersetzungsfehler: Politische \u00dcbersetzungen in der Sprachfalle"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein sowjetischer Staats- und Parteichef, der dem Westen droht. Ein japanischer Premierminister, der eine diplomatische Note ignoriert. Ein US-Pr\u00e4sident, der zu gro\u00dfe Lust auf Polen hat. Maori, die sich unter den Schutz der englischen K\u00f6nigin begeben. Und ein chinesischer Premier, dessen Gedanken sehr lange reifen. Oder war alles ganz anders? Lesen Sie hier \u00fcber die Top 5 \u00dcbersetzungsfehler, die zu diplomatischen Zerw\u00fcrfnissen f\u00fchrten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>1<\/strong>. <strong>Japan und die Potsdamer Konferenz: Ignorieren oder sich zur\u00fcckhalten?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Potsdam im Juli 1945. In Europa ist der Krieg zu Ende. Im Pazifik nicht. Das Kaiserreich Japan, im Krieg auf der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands, wehrt sich nach wie vor gegen die Niederlage. Die Siegerm\u00e4chte, die sich in der N\u00e4he Berlins treffen, fordern von Japan die Kapitulation. Andernfalls, so hei\u00dft es, w\u00fcrde das fern\u00f6stliche Kaiserreich \u201eunverz\u00fcglich und vollst\u00e4ndig vernichtet\u201c werden. Der damalige japanische Premierminister Kantaro Suzuki reagiert auf die Forderung mit dem japanischen Begriff \u201emokusatsu\u201c. Der Begriff ist \u2013 man kann es nicht anders nennen \u2013 bedeutungsschwanger: \u201eMokusatsu\u201c kann \u201eignorieren\u201c bedeuten oder auch \u201emit stiller Verachtung behandeln\u201c, aber eben auch \u201esich mit einer Erw\u00e4gung zur\u00fcckhalten.\u201c Westliche Medien deuten \u201emokusatsu\u201c eher als den Standpunkt Japans, die Aufforderung zur Kapitulation zu ignorieren. Was wenige Wochen sp\u00e4ter geschieht, ist Teil jedes Geschichtsbuches: am 6. Und 8. August 1945 werden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2<\/strong>. <strong>Jimmy Carters Lust auf Polen: Der \u00dcbersetzer, der schwieg<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist eine kleine Sensation: Wir schreiben das Jahr 1977, wir sind am H\u00f6hepunkt des Kalten Krieges und der damalige US-Pr\u00e4sident Jimmy Carter besucht ein Land des Ostblocks: Polen. Doch leider hat man offenbar nicht den allerbesten \u00dcbersetzer vom Englischen ins Polnische aufgetrieben. Aus der Neugierde Carters, mehr \u00fcber die Zukunftsw\u00fcnsche des polnischen Volkes zu erfahren, wird in der \u00dcbersetzung sexuelle Begierde. Und als Carter meint, er h\u00e4tten \u201ediesen Morgen die Vereinigten Staaten verlassen\u201c, wird dieser Satz so \u00fcbersetzt, als h\u00e4tte Carter vor, nie wieder zur\u00fcckzukehren. Es wird im Laufe des Staatsbesuches nicht besser. Der Ersatz-\u00dcbersetzer entschlie\u00dft sich, auf Nummer Sicher zu gehen und dolmetscht bei einem Staatsbankett einfach gar nicht mehr. Noch heute ist der Carter-Besuch in Polen fixer Bestandteil polnisches Witzgutes.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. <strong>Der englischen K\u00f6nigin Untertanen: Die Maori und der Missionar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die H\u00e4uptlinge der Maori auf Neuseeland haben es satt. Satt, st\u00e4ndig von Str\u00e4flingen, Seefahrern und R\u00e4ubern bedroht zu werden. Im Jahr 1840 schlie\u00dfen sie einen Vertrag mit Gro\u00dfbritannien. <a href=\"https:\/\/nzhistory.govt.nz\/politics\/treaty\/read-the-Treaty\/differences-between-the-texts\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Oder besser gesagt: zwei Vertr\u00e4ge.<\/a> Denn das Exemplar f\u00fcr die Briten unterscheidet sich diplomatisch signifikant von jener \u00dcbersetzung, die sie erhalten. Im Text f\u00fcr die Maori, \u00fcbersetzt \u00fcbrigens von einem britischen Missionar, wird festgehalten, dass die Maori nicht ihre Souver\u00e4nit\u00e4t, sondern nur die Regierungsgewalt an die britische Krone abtreten sollten. Selbstverwaltung also und Schutz vor den Eindringlingen, aber kein v\u00f6lliger Souver\u00e4nit\u00e4tsverlust. In der Fassung f\u00fcr die Briten dagegen hei\u00dft es, die Maori w\u00fcrden \u201eihrer Majest\u00e4t, der K\u00f6nigin von England, absolut und ohne Vorbehalt alle Rechte und Befugnisse der Souver\u00e4nit\u00e4t abtreten\u201c. Noch Generationen sp\u00e4ter sollte dieser Vertrag von Waitangi f\u00fcr Unruhe in den Beziehungen zwischen den Maori und den Briten sorgen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4<\/strong>. <strong>Chinesische Weisheit: Der nachdenkliche Premierminister<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Richard Nixon hat Gro\u00dfes vor in China. 1972 will er die diplomatischen Beziehungen zur Volksrepublik China verbessern und r\u00fcckt damit etwas vom Verb\u00fcndeten Taiwan ab. Die USA versprechen, ihre Streitkr\u00e4fte, die bis dahin zum Schutz Taiwans auf der Insel stationiert waren, abzuziehen und Nixon und seine chinesischen Gespr\u00e4chspartner vereinbaren die \u201eEin China-Politik\u201c. Es gebe eben nur ein China und nicht zwei chinesische Staaten. Als der chinesische Premierminister Zhou Enlai w\u00e4hrend des Nixon-Besuchs gefragt wird, was er denn \u00fcber die Franz\u00f6sische Revolution denke, antwortet der, es sei noch zu fr\u00fch, dazu etwas zu sagen. Ein Missverst\u00e4ndnis, an der die \u00dcbersetzung auch ihren Anteil hatte. Denn Zhou Enlai hatte sich nicht auf die Revolution von 1789 bezogen, sondern auf die Aufst\u00e4nde in Frankreich vier Jahre zuvor. Ausgelegt wird die Aussage aber aufgrund der Fehlinterpretation als \u2013 nicht ganz unproblematisches \u2013 Stereotyp f\u00fcr langfristiges chinesisches Denken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. <strong>Eine Kriegserkl\u00e4rung, die keine ist: \u00c4rger f\u00fcr Nikita<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wir sind wieder auf polnischem Hoheitsgebiet. Und zwar in der polnischen Botschaft in Moskau. Wir schreiben das Jahr 1956. Nikita Chruschtschow, KPdSU-Generalsekret\u00e4r und ein eher leutseliger Politiker, ist zu Gast. Vor westlichen Diplomaten sagt der Sowjetpolitiker einen verh\u00e4ngnisvollen Satz: \u201eWir werden Sie begraben.\u201c Eine direkte, unmissverst\u00e4ndliche Drohung. Oder doch nicht? Um den Satz richtig zu deuten, muss man in die Geschichte schauen. Denn was Chruschtschow, nat\u00fcrlich beschlagen in marxistischen Theorien, meinte, ist die Prognose von Karl Marx, dass die Arbeiterklasse die Bourgeoisie besiegen werde \u2013 und keineswegs eine kriegerische Drohung. Marx schrieb im Kommunistischen Manifest: \u201eWas die Bourgeoisie also vor allem produziert, sind ihre eigenen Totengr\u00e4ber.\u201c Jahre sp\u00e4ter, bei einem Besuch in Jugoslawien, bemerkt Chruschtschow launig, dass er wegen dieses Satzes \u201e\u00c4rger\u201c bekommen habe. Und stellt ihn richtig. Bis dahin sollten allerdings sieben Jahre vergehen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.act-translations.com\/de-ch\/sprachdienstleistungen\/fachuebersetzungen\/\">\u00dcbersetzungen<\/a>, das zeigen unsere Beispiele, sind m\u00f6glicherweise nur eine sprachliche Aufnahme eines kurzen Moments, ein Satz, vielleicht beil\u00e4ufig in einen Raum gerufen. Aber was unsere Beispiele auch zeigen, ist dies: sie wirken in manchen F\u00e4llen \u00fcber Jahre, k\u00f6nnen politische Vereinbarungen torpedieren, Politiker:innen zu Lachnummern machen oder sogar schwere Folgen f\u00fcr den Frieden haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sowjetischer Staats- und Parteichef, der dem Westen droht. Ein japanischer Premierminister, der eine diplomatische Note ignoriert. Ein US-Pr\u00e4sident, der zu gro\u00dfe Lust auf Polen hat. Maori, die sich unter den Schutz der englischen K\u00f6nigin begeben. Und ein chinesischer Premier, dessen Gedanken sehr lange reifen. 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