{"id":26546,"date":"2024-09-18T14:43:10","date_gmt":"2024-09-18T12:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.act-translations.com\/humor-erfolgreich-uebersetzen-und-transkreieren\/"},"modified":"2024-09-18T15:56:31","modified_gmt":"2024-09-18T13:56:31","slug":"humor-erfolgreich-uebersetzen-und-transkreieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.act-translations.com\/de-ch\/humor-erfolgreich-uebersetzen-und-transkreieren\/","title":{"rendered":"\u00dcbersetzung von Humor: Warum Witz und Ironie von Sprache und Kultur abh\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Humor ist eine ziemlich ernste Sache. Zumindest f\u00fcr diejenigen, die ihn \u00fcbersetzen sollen. Sprachliche und kulturelle Unterschiede sorgen daf\u00fcr, dass der Witz bei w\u00f6rtlicher \u00dcbertragung schnell auf der Strecke bleibt, und manchmal bleibt den \u00dcbersetzer:innen nur eines: Sie m\u00fcssen selbst kreativ werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Humor l\u00e4sst sich wunderbar streiten, denn objektiv lustig ist er nie. Wie unterschiedlich das individuelle Verst\u00e4ndnis von Humor ist, erleben wir fast t\u00e4glich. Etwa, wenn wir mit einer lustigen Bemerkung auf Unverst\u00e4ndnis sto\u00dfen oder umgekehrt den Humor anderer als banal oder unpassend empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbersetzerinnen und \u00dcbersetzer haben mit Humor allerdings ganz andere Probleme. Kaum etwas str\u00e4ubt sich so sehr gegen \u00dcbersetzung wie Ironie, Sarkasmus, Witz, Wortspiele oder hintergr\u00fcndige Anspielungen. Manchmal steht nur die unterschiedliche Sprache im Weg, oft sind es aber die kulturelle Pr\u00e4gung und die landesspezifische Historie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Transcreation: Weil Humor und Wortspiele mehr sind als Sprache<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Humor zu \u00fcbersetzen, ist eine K\u00f6nigsdisziplin. Nur wenige Profis beherrschen sie wirklich gut. Denn in den allermeisten F\u00e4llen spielt Transcreation zumindest teilweise eine Rolle. <a href=\"https:\/\/www.act-translations.com\/de-ch\/warum-humor-beim-uebersetzen-oft-verloren-geht\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.act-translations.com\/de-de\/warum-humor-beim-uebersetzen-oft-verloren-geht\/\">Transcreation geht \u00fcber reine \u00dcbersetzung hinaus<\/a>: Es ist die Kunst, gesprochenen oder geschriebenen Ausgangstext so umzuwandeln, dass er in einem anderen Sprach- und Kulturraum die gleiche Emotion ausl\u00f6st. In diesem Fall: Lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbersetzungs-Profis m\u00fcssen also nicht nur topfit in beiden Sprachen sein, ihre T\u00e4tigkeit erfordert auch tiefe Kenntnis der Kultur und Geschichte des Ziellandes. Wenn es um Humor geht, kommt zum Sprachgef\u00fchl ein wesentlicher Faktor hinzu. \u00dcber die Sprachkenntnisse hinaus \u2013 und \u00fcber die F\u00e4higkeit hinaus, auch subtilen Humor als solchen zu erkennen \u2013 bedarf es der F\u00e4higkeit, selbst humorvoll zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gelungene Transcreation: Viel mehr als internationale \u00dcbersetzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie weit Transcreation gehen kann, zeigt exemplarisch die deutsche Synchronfassung des Films\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7ybjpoHtzeI\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Willkommen bei den Sch\u2019tis<\/em><\/a>\u00a0von 2008. Die franz\u00f6sische Kom\u00f6die bezieht ihren Humor gro\u00dfteils aus dem nordfranz\u00f6sischen\u00a0<em>Ch\u2019ti<\/em>-Dialekt, der in den Ohren aller anderen Franzosen recht verschroben klingt \u2013 und im Film nat\u00fcrlich zu zahlreichen Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchrt. Die \u00dcbersetzer:innen verzichteten auf den naheliegenden Weg, einen deutschen Dialekt mit \u00e4hnlicher Wirkung einzusetzen. Stattdessen erfanden sie einen fiktiven Dialekt, der phonetisch an die Eigenheiten des Ch\u2019ti angelehnt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Gro\u00dfmeisterin der Transcreation war Erika Fuchs, die \u00dcbersetzerin zahlreicher Disney-Comics von Carl Barks. Ber\u00fchmt wurde etwa ihre Version der Stelle, an der die drei Neffen von Donald Duck beschlie\u00dfen, sich nie wieder zu waschen.&nbsp;<em>From this moment we are the three Un-Ducks \u2013 unkempt, uncombed and unbathed!<\/em>, schw\u00f6ren Huey, Dewey und Louie einander im Original.Ein eher banales Wortspiel, das Erika Fuchs durch eine phantastische Schiller-Paraphrase ersetzt: Hier schw\u00f6ren Tick, Trick und Track:&nbsp;<em>Wir wollen sein ein einig Volk von Br\u00fcdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Besser geht es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist eigentlich lustig? Warum Sprache und Kultur bei Texten entscheidend sind<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verschiedenen Kulturen unterschiedliche Arten von Humor zuzuschreiben ist in vielen F\u00e4llen ein Klischee. Dass diese Klischees manchmal Berechtigung haben, zeigt wiederum ein Blick auf die Kunstform Film. Asiatische Filmkom\u00f6dien beispielsweise erzielen in Europa oft nicht dieselben Effekt, weil die Schauspieler:innen gestisch und mimisch f\u00fcr europ\u00e4ischen Geschmack \u00fcbertreiben und der Humor hier oft nicht als komisch, sondern als kindisch empfunden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterschiede zeigen sich auch innerhalb Europas schnell: Der ber\u00fchmte britische Humor etwa \u2013 die einzigartige Mischung aus feinsinnigem, hintergr\u00fcndigem Wortwitz und brachialer, bisweilen vulg\u00e4rer Komik \u2013 ist oft nicht ad\u00e4quat zu \u00fcbersetzen. Ein Klassiker in dieser Hinsicht ist&nbsp;<em>Monty Python\u2019s Flying Circus<\/em>, eine TV-Serie, die zwischen 1969 und 1974 Ma\u00dfst\u00e4be setzte. Die durchaus gelungene Transcreation der deutschen Synchronfassung kann in vielen F\u00e4llen den Witz des Originals simulieren, aber dennoch nicht begreiflich machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn der Witz historisches Wissen voraussetzt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Humor basiert h\u00e4ufig auch auf der Kenntnis historischer Gegebenheiten. Das gilt f\u00fcr&nbsp;<em>Asterix<\/em> ebenso wie f\u00fcr die&nbsp;<em>G\u00f6ttliche Kom\u00f6die<\/em>. Die&nbsp;<em>Comedia<\/em>&nbsp;von Dante liegt in gro\u00dfartigen deutschen \u00dcbersetzungen vor. Sie alle bed\u00fcrfen aber eines umfangreichen Apparats, der die unz\u00e4hligen Anspielungen auf Geschehnisse und Personen der Zeit erkl\u00e4rt. Auch die Comicreihe&nbsp;<em>Asterix<\/em>&nbsp;ist voll von Anspielungen auf historische Ereignisse \u2013 da Fu\u00dfnoten in Comics aber eher st\u00f6rend wirken, haben die deutschen \u00dcbersetzer:innen ganze Arbeit geleistet, die originalen Anspielungen in vielen F\u00e4llen durch gelungene Transcreation in f\u00fcr die deutsche Leserschaft Verst\u00e4ndliches zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sich die Art von Humor permanent ver\u00e4ndert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass sich auch innerhalb kultureller R\u00e4ume das Gef\u00fchl daf\u00fcr, was lustig ist und was nicht, st\u00e4ndig ver\u00e4ndert. \u00dcber den Einfluss der Political Correctness auf den Sinn f\u00fcr Humor wird zum Beispiel seit Jahren heftig gestritten. Comedy-Serien wie&nbsp;<em>Little Britain<\/em>, die zwischen 2003 und 2006 mit zuvor nicht erreichter H\u00e4rte jede denkbare Minderheit (und Mehrheit) l\u00e4cherlich machte, w\u00e4ren heute \u2013 auch nach Aussage der damals Beteiligten \u2013nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann man bedauern oder auch nicht. Tatsache ist jedoch, dass gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen des Humors nicht in allen Teilen der Welt synchron erfolgen. W\u00e4hrend Political Correctness in angloamerikanischen und europ\u00e4ischen Kulturen derzeit massiven Einfluss hat, ist das in anderen Teilen der Welt ganz anders. Die Transcreation von Humor muss daher auch diesen Aspekt ber\u00fccksichtigen: Wie weit kann man in welchem Kulturraum gehen? Was ist sagbar, was nicht, und wie weit kann man die Grenzen des Humors ausloten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn \u00dcbersetzen aus dem Ausgangstext auch mal scheitert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1966 erschien mit&nbsp;<em>Asterix bei den Briten<\/em>&nbsp;einer der bis heute besten Teile der franz\u00f6sischen Comicreihe. Er arbeitet sich liebevoll an den g\u00e4ngigen England-Klischees ab: am Kult um den Nachmittagstee, der britische Fairness, schlechtem Essen, warmem Bier \u2013 und nat\u00fcrlich an den sprachlichen Eigenheiten. Die 1971 erschienene deutsche Fassung ist zwar ein Musterbeispiel perfekter \u00dcbersetzung, an den Anspielungen auf die Sprache musste sie aber teilweise scheitern. Die ber\u00fchmte Verdoppelung der Engl\u00e4nder&nbsp;<em>It is, isn\u2019t it?<\/em>&nbsp;hat mit&nbsp;<em>Es ist, ist es nicht?<\/em>&nbsp;eine gute \u00dcbertragung aus dem franz\u00f6sischen Original gefunden (<em>Il est, n\u2019est-il pas?<\/em>). Eines war jedoch schlicht un\u00fcbersetzbar: Die Briten setzen im Comic konsequent die Adjektive vor die Substantive. Das klingt im Franz\u00f6sischen ziemlich witzig. In der deutschen (und nat\u00fcrlich der englischen) Fassung funktioniert das naturgem\u00e4\u00df nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Extrembeispiel, keine Frage. Dennoch ist Humor in die Zielsprache manchmal schlicht un\u00fcbersetzbar. Vor allem, wenn es um Wortspiele geht, wie folgender Witz zeigt: Ein englischer Schuhmacher inseriert:&nbsp;<em>I will heel you, i will save your sole and I will even dye for you<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir w\u00fcnschen viel Vergn\u00fcgen beim Versuch, das zu \u00fcbersetzen \ud83d\ude05!<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Humor ist eine ziemlich ernste Sache. Zumindest f\u00fcr diejenigen, die ihn \u00fcbersetzen sollen. 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