{"id":32255,"date":"2025-06-30T14:42:26","date_gmt":"2025-06-30T12:42:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.act-translations.com\/vertraege-uebersetzungen-die-groessten-fehler\/"},"modified":"2025-08-08T14:15:15","modified_gmt":"2025-08-08T12:15:15","slug":"vertraege-uebersetzungen-die-groessten-fehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.act-translations.com\/de-ch\/vertraege-uebersetzungen-die-groessten-fehler\/","title":{"rendered":"Vertr\u00e4ge und \u00dcbersetzung: Das waren die 10 schlimmsten juristischen \u00dcbersetzungsfehler"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Juristische Dokumente m\u00fcssen vor allem eines leisten: Durch klare Formulierung jeden Spielraum der Interpretation verhindern. Das f\u00fchrt nicht nur zu eigent\u00fcmlicher Prosa, es gelingt auch nicht immer. In vielen F\u00e4llen ist es eine ungenaue \u00dcbersetzung, die diesen Spielraum er\u00f6ffnet. Und das kann fatale Folgen haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Manche Fehler wurden rechtzeitig entdeckt. Andere haben Unternehmen schwer besch\u00e4digt oder sogar zu Krieg und Zerst\u00f6rung gef\u00fchrt. Die Geschichte ist voll von Beispielen, wie viel Schaden schlechte oder unklare \u00dcbersetzung von juristischen Texten wie Vertr\u00e4gen, Gesetzen oder anderen Dokumenten anrichten kann. Hier sind zehn besonders markante F\u00e4lle.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#1 Wenn schlechtes \u00dcbersetzen Freihandel verhindert<\/h4>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2011 scheiterte ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und S\u00fcdkorea an der schlechten \u00dcbersetzung eines Vertrags. Daf\u00fcr gab es genau 207 Gr\u00fcnde \u2013 so viele \u00dcbersetzungsfehler wurden in der koreanischen Version gefunden. Eine koreanische Zeitung listete einige davon auf: Aus \u201eTransplantation\u201c etwa war \u201eTransfusion\u201c geworden. \u201eEpidemiologie\u201c war zu \u201eHautpflegedienst\u201c mutiert. Es gab auch F\u00e4lle, in denen Elemente in der \u00dcbersetzung ausgelassen oder nach Belieben hinzugef\u00fcgt worden waren. In sieben F\u00e4llen wurde das Wort \u201eany\u201c in negativen S\u00e4tzen ausgelassen. Der Text enthielt au\u00dferdem 16 koreanische Grammatikfehler. Die Zeitung wies auch mit Freude darauf hin, dass ein externer Spezialist umgerechnet 27.503&nbsp;US-Dollar f\u00fcr die Dienstleistung der finalen \u00dcberpr\u00fcfung erhalten hatte. Das Fazit des Journalisten: \u201eDie meisten der Fehler entsprachen nahezu dem Englisch von Anf\u00e4ngern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#2 Ein kleines Wort stiftet politische Unruhe<\/h4>\n\n\n\n<p>Am Ende musste sogar der Au\u00dfenminister ausr\u00fccken, um zu erkl\u00e4ren, was passiert war. Im August 2008 hatte die franz\u00f6sische Regierung unter Pr\u00e4sident Nicolas Sarkozy einen Friedensplan vorgelegt, der den sogenannten Kaukasuskrieg zwischen Russland und Georgien beenden sollte. Frankreichs Au\u00dfenminister Bernard Kouchner r\u00e4umte im September ein, dass es darin zu mehreren \u00dcbersetzungsfehlern gekommen war, wobei vor allem einer davon zu erheblichen diplomatischen Problemen f\u00fchrte: In der russischen Version des Textes war von der \u201eSicherheit Abchasiens und S\u00fcdossetiens\u201c die Rede, w\u00e4hrend dies in der englischen Version, die dem georgischen Pr\u00e4sidenten Micheil Saakaschwili \u00fcbermittelt worden war, als \u201eSicherheit in Abchasien und S\u00fcdossetien\u201c dargestellt wurde. Ein winziger Fehler, der die Intention des Friedensplans komplett ver\u00e4nderte und f\u00fcr heftigen \u00c4rger zwischen den beteiligten Parteien sorgte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#3 Ein \u00dcbersetzungsfehler f\u00fcr 760 Millionen Dollar<\/h4>\n\n\n\n<p>Ein Fall aus dem Jahr 2006 illustriert, welche finanziellen Dimensionen fehlerhaft \u00fcbersetzte Terminologie annehmen kann. Ecuador hatte eine Beteiligung der texanischen \u00d6lgesellschaft Occidental Petroleum enteignet, damit aber gegen eine Vereinbarung versto\u00dfen und musste daher Schadenersatz leisten. Zwar einigten sich beide Seiten, aber aufgrund schlechter juristischer \u00dcbersetzungen aus der ecuadorianischen Rechtsprechung ins Englische wurde der Occidental zugesprochene Schadenersatz um 40&nbsp;% (oder 760 Mio. USD) erh\u00f6ht. Ausl\u00f6ser war die Frage, ob der Begriff \u201esolemnidades\u201c als \u201erechtliche Anforderungen\u201c oder als \u201eformale Erfordernisse\u201c zu \u00fcbersetzen sei. Zwar wurde die 40&nbsp;%-Erh\u00f6hung letztlich annulliert, doch allein die Kosten f\u00fcr die Verfahren waren enorm.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#4 Der Vertrag, der nicht zustande kam<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Sportgeschichte ist voll von \u00dcbersetzungsfehlern \u2013 angesichts der Internationalit\u00e4t kein Wunder. <a href=\"https:\/\/www.act-translations.com\/de-ch\/sport-uebersetzungen-zehn-legendaere-fehler\/\"><u>Die meisten Fails sind <\/u><u>durchaus lustig<\/u><\/a>, doch manchmal k\u00f6nnen sie auch gravierende Folgen haben. Etwa f\u00fcr den ecuadorianischen Fu\u00dfballprofi Bryan Cabezas: Der sollte 2018 von Atalanta Bergamo an den argentinischen Club Independiente verliehen werden. Zwar waren sich alle Seiten einig, aber der Transfer platzte dennoch: Die Vertrags\u00fcbersetzung war offenbar maschinell durchgef\u00fchrt worden, und das machte aus Bryan Cabezas \u2013 durchaus konsequent \u2013 Bryan Heads. Womit Vertrag und Transfer leider Makulatur waren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#5 Ein Rechtssystem, zwei Terminologien, viele Rechtstexte<\/h4>\n\n\n\n<p>In L\u00e4ndern mit zwei oder mehreren Amtssprachen k\u00f6nnen auch Gesetzestexte aufgrund von \u00dcbersetzungsfehlern zu Problemen f\u00fchren. Ein bekanntes Beispiel lieferte das bilinguale Kanada, wobei der Fehler offenbar entdeckt wurde, ehe er Schaden anrichten konnte: In der englischen Fassung eines Gesetzes aus dem Strafrecht war von \u201esexual assault\u201c die Rede, also von sexuellem \u00dcbergriff oder N\u00f6tigung. In der franz\u00f6sischen Fassung verwendeten die \u00dcbersetzer:innen allerdings den Begriff \u201eattentat \u00e0 la pudeur\u201c, was eher so viel wie \u201eunanst\u00e4ndiges Verhalten\u201c bedeutet. Ein kleiner Fehler, der in der strafrechtlichen Praxis zu v\u00f6llig unterschiedlichen Interpretationen oder sogar Urteilen h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#6 Juristische \u00dcbersetzung in der EU: Dienstleistung in 24 Sprachen<\/h4>\n\n\n\n<p>Noch komplizierter wird es auf der Ebene des EU-Rechts, da hier jeder amtliche oder juristische Text in s\u00e4mtlichen Amtssprachen der Union ver\u00f6ffentlicht werden muss \u2013 aktuell immerhin stolze 24, was die \u00dcbersetzer:innen gut besch\u00e4ftigt. Ein bekanntes Beispiel f\u00fcr mangelhafte \u00dcbersetzung betraf ein Formular zum Europ\u00e4ischen Nachlasszeugnis. Darin wurde der englische Begriff \u201eheir\u201c, also \u201eErbe\u201c, in der spanischen Version als \u201ealbacea\u201c \u00fcbersetzt. Das ist allerdings der Testamentsvollstrecker, womit die Rechte und Pflichten im Falle eines Nachlasses v\u00f6llig anders verteilt wurden. Auch dieser Fail wurde mittlerweile behoben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#7 Ein einzelner \u00dcbersetzer vernichtet ein Volk<\/h4>\n\n\n\n<p>Ob dem englischen Missionar Henry Williams ein Irrtum unterlief, oder ob er bewusst irref\u00fchrend \u00fcbersetzte, konnte nie gekl\u00e4rt werden. Die Folgen waren jedenfalls katastrophal. Am 6. Februar 1840 schlossen das Vereinigte K\u00f6nigreich und das Volk der Maori den Vertrag von Waitangi, der dem neuseel\u00e4ndischen Volk unter anderem Sicherheit und den Schutz seines Eigentums versprach. Laut der englischen Version sollten die Maori \u201eihrer Majest\u00e4t, der K\u00f6nigin von England, absolut und ohne Vorbehalt alle Rechte und Befugnisse der Souver\u00e4nit\u00e4t abtreten\u201c. In der Version f\u00fcr die Maori war lediglich von den Regierungsrechten, nicht aber von Souver\u00e4nit\u00e4t die Rede. Nicht zuletzt infolge dieses Vertrages kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, Enteignungen und letztlich dem Verlust der kulturellen Identit\u00e4t eines ganzen Volkes. Der Vertrag von Waitangi gilt als eine der verheerendsten <a href=\"https:\/\/www.act-translations.com\/de-ch\/uebersetzungsfehler-politische-uebersetzungen\/\"><u>politischen Fehl\u00fcbersetzungen<\/u><\/a> der Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#8 \u00dcbersetzung von Vertr\u00e4gen: Wer spricht f\u00fcr den Kaiser?<\/h4>\n\n\n\n<p>Und noch ein Vertrag, der alles andere als Frieden brachte: Am 2. Mai 1889 schlossen Italien und Abessinien (das heutige \u00c4thiopien) den Freundschaftsvertrag von Wuchale. Die italienische Version des Vertrages besagte, dass statt des abessinischen Kaisers fortan Italien f\u00fcr die Repr\u00e4sentation Abessiniens gegen\u00fcber anderen Staaten zust\u00e4ndig sei \u2013 ein klassisches Protektorat also. In der Version f\u00fcr Kaiser Menelik II. las sich das anders: Hier hie\u00df es lediglich, dieser k\u00f6nne sich durch Italien vertreten lassen, er m\u00fcsse es aber nicht. Auch in diesem Fall ist nicht bekannt, ob der \u00dcbersetzer aus Absicht oder mangelndem Verst\u00e4ndnis der rechtlichen Begrifflichkeiten handelte. 1896 kam es im Rahmen des ersten italienisch-\u00e4thiopischen Krieges zur Niederlage der Italiener in der Schlacht von Addis Abeba. Und damit war auch der unselige Vertrag Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#9 Warum man den Finanzbericht professionell \u00fcbersetzen lassen sollte<\/h4>\n\n\n\n<p>Als das Unternehmen den Fehler bemerkte, war der Schaden schon angerichtet. Im Jahr 2012 ver\u00f6ffentlichte der Elektronikkonzern Sharp einen Finanzbericht mit negativem Cashflow. Sharp betonte in der japanischen Originalversion jedoch, dass es \u201ekeine Zweifel am Fortbestand des Konzerns\u201c gebe. In der englischen Version des Berichts war allerdings von \u201eerheblichen Zweifeln\u201c die Rede. Zwar erfolgte die Korrektur sehr rasch, doch das Unternehmen bekam den Geist nicht mehr in die Flasche. Innerhalb eines Tages fiel der Aktienkurs um zehn Prozent, und auch der Imageschaden war gewaltig.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">#10 Fach\u00fcbersetzungen machen Politik: Kalter Krieg mit \u00dcbersetzungsfehlern<\/h4>\n\n\n\n<p>In Zeiten gro\u00dfen Misstrauens sind Pr\u00e4zision und korrekte Formulierungen in Rechtstexten wie v\u00f6lkerrechtlichen Vertr\u00e4gen besonders wichtig. Als am 24. Oktober 1945 die Charta der Vereinten Nationen in Kraft trat, war der Kalte Krieg nur noch wenige Jahre entfernt. In Artikel 51 des Dokuments hei\u00dft es: \u201eDiese Charta beeintr\u00e4chtigt im Falle eines bewaffneten Angriffs gegen ein Mitglied der Vereinten Nationen keineswegs das naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung (\u2026)\u201c In fr\u00fcheren russischen Versionen trat der Aspekt des individuellen Rechts auf Selbstverteidigung allerdings hinter jenes auf kollektive Verteidigung zur\u00fcck. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Sowjetunion traditionell auf kollektive Ma\u00dfnahmen und die Zustimmung durch den Sicherheitsrat pochte, war der Unterschied in der russischen Zielsprache bedeutsam. Kompliziert wurde die Debatte vor allem durch Artikel 111 der UN-Charta, wonach die f\u00fcnf offiziellen Sprachversionen \u2013 Englisch, Franz\u00f6sisch, Spanisch, Chinesisch und Russisch (sp\u00e4ter auch Arabisch) \u2013 im Streitfall gleiche G\u00fcltigkeit besitzen. Maximale Genauigkeit und Beglaubigung durch ein professionelles \u00dcbersetzungsb\u00fcro erhalten auf dieser Ebene tats\u00e4chlich geopolitisches Gewicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juristische Dokumente m\u00fcssen vor allem eines leisten: Durch klare Formulierung jeden Spielraum der Interpretation verhindern. Das f\u00fchrt nicht nur zu eigent\u00fcmlicher Prosa, es gelingt auch nicht immer. 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