{"id":18508,"date":"2024-06-13T16:34:32","date_gmt":"2024-06-13T14:34:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.act-translations.com\/?p=18508"},"modified":"2024-09-04T09:14:17","modified_gmt":"2024-09-04T07:14:17","slug":"sport-uebersetzungen-zehn-legendaere-fehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.act-translations.com\/de-de\/sport-uebersetzungen-zehn-legendaere-fehler\/","title":{"rendered":"Sport-\u00dcbersetzungen: zehn legend\u00e4re Fehler"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Sport ist ein globales Ph\u00e4nomen <\/strong><strong>und bedarf daher auch permanent der \u00dcbersetzung und Synchronisation. Das geht meistens gut. Aber nicht immer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Fehl\u00fcbersetzung ist so grandios, dass sie sogar von internationalen Medien rezipiert wird. Als die US-Skirennl\u00e4uferin Mikaela Shiffrin im Januar 2023 nach gewonnenem Riesenslalom einem Reporter des \u00f6sterreichischen Fernsehens <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1SqynUb3YAw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u>ein Interview gibt<\/u><\/a>, erw\u00e4hnt sie in erfrischender Offenheit, dass ihr das Rennen diesmal besonders schwergefallen sei: Sie befinde sich gerade in einer ung\u00fcnstigen Phase ihres monatlichen Zyklus&nbsp;\u2013 \u201eI\u2018m kind of in an unfortunate time of&nbsp;my&nbsp;monthly&nbsp;cycle.\u201c Der Reporter im Zielraum \u00fcbersetzt ambitioniert: \u201eIch komme nicht einmal zum Radfahren, was ich jeden Monat mache. \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was den Mann wohl sein Leben lang verfolgen wird, ist allerdings kein Einzelfall. Gerade im Profisport mit seiner weltweiten Reichweite und den h\u00e4ufig auf Englisch gef\u00fchrten Interviews kommt es immer wieder zu \u00dcbersetzungsfehlern und Missverst\u00e4ndnissen. Manche sind durchaus lustig&nbsp;\u2013 andere haben eher unangenehme Folgen. Ein kleines Best of.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Brisanter Hymnen-Text bei einem Gro\u00dfereignis im Sport<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>London, Wembley Stadium, 29. Juni 2021: England und Deutschland treten im Achtelfinale der Fu\u00dfball-EM gegeneinander an. Deutschland wird es verlieren, doch der gro\u00dfe \u00c4rger beginnt schon davor. Der niederl\u00e4ndische TV-Sender NPO blendet beim Abspielen der Nationalhymnen deren Texte ein. Doch w\u00e4hrend die deutschen Spieler und Fans von \u201eEinigkeit und Recht und Freiheit\u201c singen, liest man hier \u201eDeutschland, Deutschland \u00fcber alles, \u00fcber alles in der Welt\u201c, den verbotenen Teil der Hymne. Angesichts der Tatsache, dass die Niederlande diesen Text schon unter ganz anderen Umst\u00e4nden \u00fcber sich ergehen lassen musste, ein besonders pikanter Fehler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlaumeier sind keine Angstgegner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass Sportstars, vermutlich von Leidenschaft getrieben, nicht immer positiv \u00fcbereinander sprechen, ist bekannt. Manchmal steckt aber auch eine Fehl\u00fcbersetzung dahinter. 2017 sorgt Chiles Fu\u00dfballstar Arturo Vidal f\u00fcr Aufregung, indem er offenbar \u00fcber Portugals Cristiano Ronaldo l\u00e4stert: Dieser Schlaumeier existiere f\u00fcr ihn gar nicht. Tats\u00e4chlich lautet das Zitat: \u201eEl cuco no existe.\u201c \u201eCuco\u201c kann tats\u00e4chlich mit \u201eschlau\u201c \u00fcbersetzt werden, bedeutet aber im chilenischen Spanisch auch so viel wie \u201eschwerer Gegner\u201c oder \u201eAngstgegner\u201c. Dass Vidal hier ausdr\u00fccken will, Ronaldo und seine Portugiesen seien kein Gegner, den man f\u00fcrchtet, wird erst richtiggestellt, nachdem die M\u00e4r von der Beleidigung durch alle Sportmedien der Welt gegangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Online-\u00dcbersetzung mit Folgen: <\/strong><strong>f<\/strong><strong>\u00fcr eine Handvoll Eier<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Februar 2018: In S\u00fcdkorea starten die Olympischen Winterspiele. Norwegen hat 109 Athlet:innen entsandt, die verk\u00f6stigt werden wollen. Also bestellen die Norweger unter anderem 1.500 Eier. Geliefert werden aber 15.000. Der britische \u201eGuardian\u201c findet schlie\u00dflich die Ursache der Verzehnfachung heraus: Die norwegischen K\u00f6ch:innen haben einen Online-\u00dcbersetzer eingesetzt, der allerdings mit den unterschiedlichen und offenbar recht komplizierten Z\u00e4hl-Systemen des Koreanischen nicht vertraut ist. Einer der K\u00f6che wird sp\u00e4ter mit der Aussage zitiert, das norwegische Olympia-Team habe in den folgenden Wochen Eier-Gerichte in allen Varianten bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fataler Fehler in den Untertiteln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Li Haotong ist ein chinesischer Golf-Profi, der es bis zu Rang 32 der Weltrangliste geschafft hat. Da in dieser Sportart bekanntlich viel Geld zu verdienen ist, wird er nach einem Turniersieg in einem auf Englisch gef\u00fchrten Interview danach gefragt, was er denn mit dem Preisgeld anfangen wolle. Weil er Englisch mit starkem chinesischem Akzent spricht, wird das Interview untertitelt. Der freundliche Li Haotong erkl\u00e4rt: \u201eI may buy some gifts.\u201c Dass er laut automatischer Untertitelung vorhat, \u201esome girls\u201c zu kaufen, ist sicherlich nicht der Plan gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diskriminierende Sport-\u00dcbersetzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bitter ist, was Manuel Neuer erleben musste. Der langj\u00e4hrige deutsche Bayern- und Nationalteam-Torwart ist daf\u00fcr bekannt, sich glaubw\u00fcrdig und aktiv gegen Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit einzusetzen&nbsp;\u2013 in der Fu\u00dfball-Branche bekanntlich hartn\u00e4ckige Problemfelder. 2011 wird er, damals noch Schlussmann bei Schalke, in einem Interview zum Thema Homosexualit\u00e4t im Fu\u00dfball gefragt. Der damals 24-J\u00e4hrige antwortet: \u201eWer schwul ist, soll sich outen. Da f\u00e4llt doch eine Last ab. Auch die Fans werden sich schnell daran gew\u00f6hnen.\u201c Dass er dann noch vom Outing eines Mitsch\u00fclers erz\u00e4hlt, wird von einem peruanischen Journalisten endg\u00fcltig falsch verstanden. Die Nachricht, Neuer selbst sei homosexuell, verbreitet sich in s\u00fcdamerikanischen Sportmedien und gipfelt in Titeln wie \u201eDer Gay-Torh\u00fcter bittet seine Kollegen, sich zu befreien\u201c oder \u201eDer Torwart hat gestanden und f\u00fchlt sich erleichtert\u201c. Formulierungen, deren explizite Homophobie schon zeigt, wie wichtig nicht nur korrekte \u00dcbersetzungen sind,&nbsp;sondern auch Sportler wie Manuel Neuer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcbersetzungsfehler: Antikes Leib-Seele-Problem<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie entscheidend bei \u00dcbersetzungen die Kenntnis des Kontexts ist, zeigt ein Zitat, das urspr\u00fcnglich nicht das geringste mit Sport zu tun hat. Als der r\u00f6mische Satiriker Juvenal sein ber\u00fchmtes \u201emens sana in corpore sano\u201c formuliert, macht er sich \u00fcber jene Mitb\u00fcrger:innen lustig, die die G\u00f6tter um sinnlose Gaben anflehen&nbsp;\u2013 statt um so Entscheidendes wie geistige und k\u00f6rperliche Gesundheit. Was die ebenso bildungsfernen wie bildungsfeindlichen Nationalsozialisten und ihre Zuarbeiter daraus gemacht haben, ist bekannt: Die Interpretation, nur in einem gesunden K\u00f6rper k\u00f6nne auch ein gesunder Geist stecken, ist bis heute die wohl g\u00e4ngigste. Eine Interpretation, die m\u00f6glicherweise sogar den scharfz\u00fcngigen Juvenal sprachlos gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcbersetzungs-Software bringt Transfer zum Platzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie schnell falsche \u00dcbersetzungen auch folgenreich werden k\u00f6nnen, zeigt der Fall des ecuadorianischen Fu\u00dfballprofis Bryan Cabezas. Im Jahr 2018 soll der Linksau\u00dfen von seinem italienischen Stammverein an den argentinischen Verein Independiente verliehen werden. Alle Vertr\u00e4ge sind aufgesetzt&nbsp;\u2013 deren \u00dcbersetzung besorgt allerdings eine Software. Und die transkribiert den Namen des Spielers durchaus korrekt mit \u201eHeads\u201c. Das Ergebnis: kein g\u00fcltiger Vertrag, also auch kein Transfer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eigenwillige Entscheidungsfindung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer regelm\u00e4\u00dfig auf PC oder Konsole spielt, kennt das Ph\u00e4nomen: Selbst hochpreisige Triple-A-Titel sind nicht vor erstaunlichen Fehlern in den Untertiteln oder der Synchronisation gefeit. Ein immer wieder zitiertes und durch Screenshots gut belegtes Beispiel ist die Fu\u00dfball-Simulation World Class Soccer aus dem Jahr 1994: Sollte hier ein Spiel nach 90 Minuten unentschieden stehen, kommt es&nbsp;\u2013 in Versalien eingeblendet&nbsp;\u2013 zum \u201eElfmeterscheissen\u201c. World Class Translation, gewisserma\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Evangelium nach Lothar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine kleine Fehl\u00fcbersetzung ereignet sich 2018 auch am Verwaltungsgericht in Kassel. Sie hat allerdings zum Gl\u00fcck nur allgemeine Erheiterung zur Folge. Ein Asylbewerber wird zu seinem \u00dcbertritt zum Christentum befragt. Er soll erz\u00e4hlen, worum es in der vergangenen Sonntagspredigt ging. Seine Antwort wird vom Dolmetscher eher \u00fcberraschend mit \u201eLothar Matth\u00e4us\u201c \u00fcbersetzt. Dass es tats\u00e4chlich um Martin Luther und das Evangelium nach Matth\u00e4us ging, wird erst auf Nachfrage klar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht alles ist ein \u00dcbersetzungs-Fehler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ph\u00e4nomen der falschen \u00dcbersetzungen hat allerdings auch eine Kehrseite: Immer wieder versuchen Sportler:innen, die sich im Ton vergreifen, die Schuld auf \u00dcbersetzungs-Fails zu schieben. So auch der legend\u00e4re brasilianische Formel-1-Pilot und Weltmeister Nelson Piquet. 2022 keilt er gegen den (dunkelh\u00e4utigen) englischen Superstar Lewis Hamilton aus, beleidigt ihn offenbar. In einem Interview apostrophiert er ihn als \u201eNeguinho\u201c und besteht angesichts der medialen Aufregung darauf, der Begriff bedeute im brasilianischen Portugiesisch nur so viel wie \u201eder Kerl\u201c. Die Journalist:innen der Plattform \u201eMotorsport total\u201c haben Muttersprachler:innen befragt und kommen zum klaren Schluss, \u201edass eigentlich alle, mit denen wir uns unterhalten haben, der Meinung sind, dass das verwendete Wort definitiv abwertend ist.\u201c Mit anderen Worten: Falsche \u00dcbersetzungen erkl\u00e4ren viel, aber nicht jeder kann sich dahinter verstecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sport ist ein globales Ph\u00e4nomen und bedarf daher auch permanent der \u00dcbersetzung und Synchronisation. Das geht meistens gut. Aber nicht immer. Die Fehl\u00fcbersetzung ist so grandios, dass sie sogar von internationalen Medien rezipiert wird. 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