{"id":32448,"date":"2025-08-27T13:04:28","date_gmt":"2025-08-27T11:04:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.act-translations.com\/?p=32448"},"modified":"2026-02-23T09:30:38","modified_gmt":"2026-02-23T08:30:38","slug":"lokalisierung-auf-instagram-und-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.act-translations.com\/de-de\/lokalisierung-auf-instagram-und-co\/","title":{"rendered":"Instagram, LinkedIn, X und Co.: Warum Lokalisierung von Inhalten bei Social-Media-Kampagnen entscheidend ist"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Social Media ist der Inbegriff von Vernetzung und ein m\u00e4chtiger Hebel im digitalen Marketing. Aber wirken die sozialen Medien \u00fcberall gleich? Es gibt gute Gr\u00fcnde, sich die Zielm\u00e4rkte sehr genau anzusehen und Social-Media-Aktivit\u00e4ten dementsprechend zu lokalisieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Online-Welt k\u00f6nnte so einfach sein. Und gleichzeitig so langweilig. Obwohl Englisch dominiert, halten sich im Web und in Social Media hartn\u00e4ckig alle Sprachen der Welt. Von Nivellierung keine Spur. Wo internationaler Austausch nicht zwingend einer gemeinsamen Sprache bedarf, kann man den Menschen einfach nicht abtrainieren, in ihrer Muttersprache zu kommunizieren. Gut so!<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Sprache ein zentraler Aspekt der kulturellen Verwurzelung und des Selbstverst\u00e4ndnisses ist, hat auch Auswirkungen auf die Marktkommunikation. Zwar sind einzelne englische Claims auch in anderen Sprachr\u00e4umen wirkungsvoll, doch im Grunde setzen Marketing und Werbung \u00fcberall auf die jeweilige Landessprache.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sprache der Zielgruppe und des Markts sprechen<\/h2>\n\n\n\n<p>Fast 9.000 Menschen in 29 L\u00e4ndern Europas, Asiens, Nord- und S\u00fcdamerikas hat\u00a0<u>CSA Research und Kantar<\/u> vor einigen Jahren zu ihren Pr\u00e4ferenzen beim E-Commerce in verschiedenen Branchen befragt. Die wichtigsten Ergebnisse:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>76\u00a0% der Menschen bevorzugen Produktinformationen in ihrer eigenen Sprache. 65\u00a0% nehmen daf\u00fcr sogar in Kauf, dass die \u00dcbersetzung schlecht ist.<\/li>\n\n\n\n<li>73\u00a0% der potenziellen Kunden und Kundinnen m\u00f6chten zumindest Produktbewertungen in ihrer Sprache lesen.<\/li>\n\n\n\n<li>75\u00a0% der Befragten betonen, dass sie auch einen Kundendienst in Landessprache erwarten. Selbst unter jenen, die im Englischen sattelfest sind, liegt der Wert noch bei 60\u00a0%.<\/li>\n\n\n\n<li>40\u00a0% der Verbraucher:innen kaufen trotz bester Verkaufsargumente prinzipiell nichts auf Websites in anderen Sprachen als ihrer eigenen. Interessanterweise liegen die Deutschen mit 57\u00a0% hier an der Spitze der Umfrage.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Beeindruckende Zahlen \u2013 doch gelten sie auch f\u00fcr Social Media?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Muss Content unbedingt englisch sein?<\/h2>\n\n\n\n<p>Es scheint, als w\u00e4re die \u00fcberwiegende Nutzung von Englisch teilweise eher der \u201eMarktmacht\u201c der Lingua Franca geschuldet als dem Wunsch der User:innen. Dass sich die Menschen in ihrer eigenen Sprachwelt sicherer f\u00fchlen, zeigt eine Studie aus den USA: Tweets in spanischer Sprache zum Beispiel erzielen demnach ein um <a href=\"https:\/\/fastercapital.com\/de\/inhalt\/Language-Social-Media--Maximierung-der-Marketingwirkung-mit-Language-Social-Media.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><u>30% h\u00f6heres Engagement<\/u><\/a> als solche in Englisch. Ein deutliches Zeichen daf\u00fcr, dass die vielen US-Hispanics Spanisch bevorzugen, obwohl sie \u00fcberwiegend auch Englisch sprechen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Social-Media-Kampagnen unter der Forscherlupe<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Dominanz des Englischen kann den Blick darauf verstellen, dass Sprache auch in Social Media viel mehr ist als ein Tool f\u00fcr den Informationsaustausch. Begreift man Sprache als fundamentalen Tr\u00e4ger von Kultur, wird klar, warum es bei internationalem Social-Media-Marketing um mehr geht als nur um \u00dcbersetzung. Vor allem dann, wenn auch die Kulturr\u00e4ume sehr unterschiedlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sehr kulturelle Eigenheiten die Nutzung Sozialer Medien beeinflussen \u2013 und was das f\u00fcr das Marketing bedeutet \u2013 <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/360608543_Cross-Cultural_Differences_in_Social_Media_Use_Implications_for_International_Social_Media_Marketing_Strategy\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><u>hat eine internationale Studie eingehend untersucht<\/u><\/a>. Konkret verglichen die Autor:innen das Verhalten von User:innen in individualistischen Gesellschaften \u2013 gemeint sind Westeuropa und die USA \u2013 mit jenem von Menschen, die in kollektivistischen Gesellschaften wie China oder S\u00fcdkorea leben. Sie st\u00fctzten sich dabei auf die sieben Dimensionen des <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/figure\/The-honeycomb-framework-of-social-media-Kietzmann-et-al-2011-p-243_fig1_299357399\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><u>Honeycomb-Modells<\/u><\/a>\u00a0von Social Media.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Identit\u00e4t: Darf ich mich vorstellen?<\/h3>\n\n\n\n<p>In den westlichen Kulturen wird Social Media vor allem f\u00fcr die Selbstdarstellung genutzt. Wie viel die User:innen von sich erz\u00e4hlen oder zeigen und mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit sie das tun, ist manchmal durchaus erstaunlich. Ganz anders gehen chinesische, japanische oder s\u00fcdkoreanische User:innen damit um. Um soziale Konflikte und Gesichtsverlust zu vermeiden, verbleibt vieles hinter der Wand der Privatsph\u00e4re. Interessant ist hier auch, dass etwa chinesische WeChat-Nutzer:innen fast nie Klarnamen verwenden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Kommunikation: Wie offen darf es sein?<\/h3>\n\n\n\n<p>Die direkte und tendenziell offene Kommunikation, die auf westlichen Social Media-Plattformen herrscht, hat mit Ph\u00e4nomenen wie Hate Speech ihre allzu bekannten Schattenseiten. In kollektivistisch orientierten Kulturen geschieht auch die Social-Media-Kommunikation eher indirekt: Die soziale Harmonie zu bewahren, ist ein hohes Gut.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sharing: \u00d6ffentlich versus privat<\/h3>\n\n\n\n<p>Westliche User:innen haben oft wenig Hemmung, ihre Gedanken, Meinungen und auch privaten Umst\u00e4nde anderen zug\u00e4nglich zu machen. In China oder Korea ist das eher un\u00fcblich: Hier sind viele Menschen in geschlossenen Gruppen unterwegs und teilen Social-Media-Inhalte nur mit der Familie oder mit Freund:innen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Pr\u00e4senz: Wissen, wer da ist<\/h3>\n\n\n\n<p>In den westlichen Kulturen wird der Online-Status oft bewusst verborgen. In Kulturen mit kollektivistischer Pr\u00e4gung ist das anders: Viele sch\u00e4tzen es zu wissen, wann Freunde online sind oder sich in der N\u00e4he befinden, um soziale Interaktionen zu erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Beziehungen: Was hei\u00dft hier Freundschaft?<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Begriff \u201eFreundschaft\u201c darf in den westlichen Sozialen Medien nicht allzu ernstgenommen werden. Hier ist man mit vielen Userinnen und Usern \u201ebefreundet\u201c, die man nie im Leben gesehen hat. Fern\u00f6stliche Social Media-Netzwerke funktionieren auch in dieser Hinsicht anders: Hier werden enge, langfristige Beziehungen bevorzugt. Sich mit Fremden zu \u201ebefreunden\u201c, ist un\u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Reputation: Die Quellen des guten Rufs<\/h3>\n\n\n\n<p>Wert hat, was Likes bekommt. Die individuelle Reputation ist in westlichen Kulturen wichtig \u2013 und bemisst sich in den Social Media-Netzwerken an den Bewertungen durch andere User:innen. Wer viele Follower:innen hat, darf sich als Expert:in f\u00fchlen. Auf der chinesischen Einkaufs-Plattform AliExpress gilt als beliebtes Produkt nur, was hohe Verkaufszahlen erreicht und gute Gruppenbewertungen erh\u00e4lt \u2013 Einzelbewertungen spielen dabei keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gruppen: Eins, zwei, viele<\/h3>\n\n\n\n<p>Gruppen, wie es sie etwa auf Facebook gibt, dienen in den individualistischen Kulturen vor allem der Vernetzung mit vielen Menschen. In den asiatischen M\u00e4rkten sind die Gruppen deutlich kleiner, daf\u00fcr aber auch enger vernetzt. Daher sind Messaging-Apps mit Gruppenfunktionen hier auch besonders erfolgreich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konkrete Tipps f\u00fcr effektives Marketing<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Studienautor:innen ziehen aus den sehr unterschiedlichen Zug\u00e4ngen zu Social Media ihre Schl\u00fcsse f\u00fcr die Strategien von Unternehmen: \u201eKulturelle Unterschiede spielen eine entscheidende Rolle in der Nutzung Sozialer Medien. Unternehmen, die diese Unterschiede ber\u00fccksichtigen, k\u00f6nnen ihre internationalen Marketingstrategien effektiver gestalten. Wer in internationale M\u00e4rkte expandiert, muss Social-Media-Funktionen an lokale Kulturen anpassen.\u201c Und sie geben Unternehmen einige konkrete Tipps:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <strong>Strategien der Interaktion<\/strong>: Westliche Unternehmen setzen manchmal darauf, offene und \u00f6ffentliche Diskussionen anzuregen. Gelingt diese Strategie, kann sie hinsichtlich des Markenimages und der Markenbekanntheit Gold wert sein \u2013 gelingt sie nicht, finden sich Unternehmen im schlimmsten Fall auf der falschen Seite der \u00f6ffentlichen Meinung wieder und haben alle H\u00e4nde voll zu tun, die Effekte wieder einzufangen. In kollektivistischen Kulturen geht es viel st\u00e4rker um die pers\u00f6nliche Ansprache, die der \u00d6ffentlichkeit verborgen bleibt. Die japanische Instant-Messaging-App Line ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel: Sie erm\u00f6glicht direkte Chats zwischen Brands und ihren Kund:innen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <strong>Influencer Marketing<\/strong>: Sie haben sich zu einer der st\u00e4rksten Waffen entwickelt, um mit der Zielgruppe in Kontakt zu treten: Influencerinnen und Influencer, die kraft ihrer Bekanntheit, ihrer Authentizit\u00e4t und Kreativit\u00e4t als Markenbotschafter:innen fungieren. In den westlichen Gesellschaften gewinnen dabei die Mikro- und Nano-Influencer:innen an Boden: Sie haben eine geringere Reichweite, genie\u00dfen aber in ihrer spezifischen Community hohe Glaubw\u00fcrdigkeit. Genau das ist Unternehmen in fern\u00f6stlichen M\u00e4rkten ans Herz zu legen. Vor allem in China muss man als Marke sicherstellen, dass die Influencer:innen eng mit ihren Communities verbunden sind. Die Empfehlungen der Stars mit ihren enormen Reichweiten verpuffen hier eher.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00b7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <strong>E-Commerce und Social Commerce<\/strong>: Personalisierung ist nicht ohne Grund eine S\u00e4ule des E-Commerce geworden. Unternehmen, die im Web oder \u00fcber Social Media ihre Produkte oder Dienstleistungen verkaufen, tun alles, um dem Zielpublikum ein m\u00f6glichst individuelles Erlebnis zu bieten. Ein wenig im Schatten steht hingegen Social Commerce, also vereinfacht gesagt: der Versuch, den gemeinsamen Einkaufsbummel eines Freundeskreises zu simulieren. Genau das f\u00fchrt in kollektivistischen Kulturen aber potenziell zum Erfolg. Der chinesische Online-Retailer Pinduoduo macht es vor: Pinduoduo belohnt Kund:innen, die ihre Freunde und Freundinnen zum gemeinsamen Einkauf einladen, mit Rabatten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neue Zielgruppen ansprechen: Sprachliche und kulturelle Vielfalt sind entscheidend<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Werbekampagne an einen Zielmarkt anzupassen, der v\u00f6llig anders tickt, ist zweifellos die hohe Schule. Doch auch innerhalb der westlichen Welt gibt es Unterschiede in der Nutzung, die man bei der Erstellung von Postings kennen sollte. Die Anpassung betrifft zun\u00e4chst die Social-Media-Kan\u00e4le, die man w\u00e4hlt. Die Reichweiten von Facebook, LinkedIn oder Twitter sind selbst innerhalb Europas durchaus nicht einheitlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Einfache \u00dcbersetzung von Social-Media-Aktivit\u00e4ten ist aber auch aus einem anderen Grund problematisch. Textverst\u00e4ndnis ist stark vom kulturellen Kontext abh\u00e4ngig. Was <a href=\"https:\/\/www.act-translations.com\/de-de\/was-emojis-anderswo-bedeuten\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.act-translations.com\/de-de\/was-emojis-anderswo-bedeuten\/\">Menschen als lustig empfinden, als spannend oder anregend, ist je nach Sprache und Kultur teilweise \u00e4u\u00dferst unterschiedlich<\/a>. Gleiches gilt f\u00fcr visuelle Inhalte, denn auch das visuelle Empfinden ist kulturell beeinflusst. Unternehmen, die solche Unterschiede nicht beachten, laufen Gefahr, Kampagnen ihre Wirksamkeit zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum \u00dcbersetzung und Lokalisierung von Inhalten so wichtig sind<\/h2>\n\n\n\n<p>Angesichts der unleugbaren Bedeutung von Social Media f\u00fcr das Marketing ist es erstaunlich, dass der Lokalisierung hier oft kein Wert beigemessen wird. Doch gerade die ist im Rahmen einer mehrsprachigen Internationalisierung unerl\u00e4sslich \u2013 und definitiv ein Job f\u00fcr Profis. Muttersprachliche \u00dcbersetzer:innen, die nicht nur exzellente Expertise in der Zielsprache haben, sondern auch in der jeweiligen Kultur verankert sind, kennen die viele kleinen und gr\u00f6\u00dferen kulturellen Nuancen und Unterschiede, die eine Anpassung der Postings verlangen. Hinsichtlich der Texte, der Hashtags, aber ebenso der gew\u00e4hlten Bilder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Unternehmen stecken viel Kreativit\u00e4t, Zeit und Geld in ansprechenden Social-Media-Content und durchdachtes Copywriting. Dies in neuen M\u00e4rkten verpuffen zu lassen, sollten sie sich nicht leisten. Eine gut durchdachte Lokalisierungsstrategie ist daher entscheidend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Social Media ist der Inbegriff von Vernetzung und ein m\u00e4chtiger Hebel im digitalen Marketing. Aber wirken die sozialen Medien \u00fcberall gleich? 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