Vertrauen ist im Lebensmittelbereich die entscheidende Währung. Geht es verloren, geht auch die Marke verloren. Was das mit Übersetzungen zu tun hat? Eine ganze Menge.
Was macht schlechte Sprache mit einer Marke? Eine Umfrage unter Konsumentinnen und Konsumenten in Großbritannien kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen.
Unter anderem gaben 59 Prozent der Befragten an, nicht bei Unternehmen einzukaufen, die auf ihrer Website oder in ihren Marketingmaterialien offensichtliche Grammatik- oder Rechtschreibfehler zeigen. Die häufigste Begründung? Einem Unternehmen mit schlechter Sprache wird auch keine gute Produktqualität zugetraut.
Im Bereich der Lebensmittel kann das eine Marke umbringen. Nirgendwo anders ist Vertrauen so wichtig. Und nirgendwo anders so fragil. Sprachliche Präzision ist in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie nicht nur nice to have, sondern ein fundamentaler Baustein in Risikomanagement und Wachstumsstrategie.
Unterschätzter Umfang: Wo professionelle Übersetzer:innen gebraucht werden
Viele Unternehmen denken bei „Übersetzung“ zunächst nur an die Verpackung. Doch tatsächlich durchzieht der sprachliche Bedarf die gesamte Wertschöpfungskette eines exportierenden Lebensmittelunternehmens. Eine lückenlose Lokalisierungsstrategie muss dabei vier Hauptbereiche abdecken:
1. Verpackung und Etikettierung
Dies ist gewissermaßen die Frontlinie. Hier treffen Marketingversprechen und harte regulatorische Realität aufeinander. Die Anforderungen gehen weit über den Produktnamen hinaus. Zutatenlisten, Nährwerttabellen, Allergene, Zubereitungshinweise und Haltbarkeitsdaten müssen nicht nur sprachlich korrekt, sondern auch konform mit den lokalen Gesetzen sein. Ein Fehler wird hier schnell zu einem Gesetzesverstoß.
2. Marketing- und Vertriebsmaterialien
Während Etiketten sachlich und präzise sein müssen, müssen Marketingmaterial und Produktbeschreibungen emotionalisieren. Slogans, Webseiten, Broschüren und Social-Media-Kampagnen müssen den Geschmack der Zielkultur treffen. Was in Deutschland als bodenständig und traditionell beworben wird, muss in einem anderen Markt vielleicht als exklusiv positioniert werden, um denselben Preispunkt zu rechtfertigen. Hier ist Transkreation gefragt, die kreative Adaption von Botschaften, um in der Übersetzung die gleiche Wirkung zu erzielen wie in der Ausgangssprache.
3. Rechtliche und regulatorische Dokumente
Der Markteintritt erfordert eine Flut an Papierkram: Einfuhrgenehmigungen, Gesundheitszeugnisse, Konformitätserklärungen und Verträge mit lokalen Distributoren. Diese Dokumente dulden keinen Interpretationsspielraum. Juristische Fachübersetzungen sichern ab, dass Haftungsfragen geklärt sind und der Zoll die Ware nicht an der Grenze festhält.
4. Interne und Supply-Chain-Dokumentation
Oft vergessen, aber absolut kritisch für die Qualitätssicherung: technische Datenblätter, Spezifikationen für Rohstofflieferanten im Ausland, Schulungsunterlagen für internationales Personal und Audits zur Lebensmittelsicherheit. Wird in einem ausländischen Werk eine Sicherheitsanweisung aufgrund schlechter Übersetzung missverstanden, ist die gesamte Charge gefährdet.
Der hohe Preis des Irrtums: Die Lebensmittelindustrie verzeiht keine Fehler
Die Lebensmittelindustrie operiert in einem Hochrisikoumfeld. Fehler in der Übersetzung haben hier direktere und drastischere Konsequenzen als in fast jeder anderen Branche.
1. Gesundheitsgefährdung und Produktrückrufe
Das gravierendste Risiko betrifft die Gesundheit der Verbraucher:innen. Eine fehlerhafte Deklaration von Allergenen ist einer der häufigsten Gründe für weltweite Produktrückrufe.
Ein klassisches Beispiel für die Mechanik solcher Fehler ist die Verwechslung von Begriffen oder die Auslassung von Spuren-Hinweisen. Wird etwa eine Zutat aufgrund eines Übersetzungsfehlers falsch angegeben oder taucht überhaupt nicht auf, kann dies für Allergiker:innen schlimmstenfalls tödlich enden. Solche Fehler führen zu sofortigen Rückrufen, die Millionen kosten können – durch die Logistik der Rückholung und die Vernichtung der Ware.
2. Rechtliche Konsequenzen und Marktausschluss
Behörden wie die EFSA in Europa oder die FDA in den USA überwachen die Kennzeichnungspflichten streng. Eine falsche Bezeichnung – beispielsweise, ein Produkt als „natürlich“ zu bezeichnen, wenn die lokale Gesetzgebung für diesen Begriff engere Kriterien anlegt als im Herkunftsland – kann zu empfindlichen Bußgeldern führen. Im schlimmsten Fall wird dem Unternehmen die Vertriebslizenz entzogen oder die Ware vom Zoll beschlagnahmt und vernichtet, bevor sie überhaupt das Regal erreicht.
3. Marken- und Imageschaden
Das Vertrauen in Lebensmittel ist fragil. Über Social Media verbreiten sich Nachrichten über fehlerhafte Etiketten oder kulturelle Fauxpas in der Zielgruppe rasend schnell. Ein lustiger Übersetzungsfehler mag viral gehen und für Lacher sorgen, aber er signalisiert den Konsument:innen auch: „Diesem Hersteller ist Detailgenauigkeit nicht wichtig.“ In einer Branche, in der es um Hygiene und Sicherheit geht, ist dieser Eindruck fatal.
4. Störungen der Lieferkette
Wenn Begleitdokumente, Ursprungszeugnisse oder Frachtpapiere fehlerhaft übersetzt sind, stehen Container still. Verderbliche Ware, die im Zollhafen festhängt, verliert jeden Tag an Wert. Zudem können Missverständnisse in der Kommunikation mit internationalen Rohstofflieferanten dazu führen, dass gelieferte Zutaten nicht den Spezifikationen entsprechen, was Produktionsstopps zur Folge hat.
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Best Practices: Ihr Rezept für erfolgreiche Lokalisierung
Um diese Risiken zu minimieren und internationale Märkte erfolgreich zu erobern, bedarf es mehr als nur ein Wörterbuch. Professionelle Übersetzungsdienstleister setzen im Übersetzungsprojekt auf vier Säulen der Qualitätssicherung:
1. Regulatorisches Know-how
Spezialisierte Übersetzer:innen für die Lebensmittelbranche müssen nicht nur die Sprache beherrschen, sondern auch die Gesetze. Sie wissen, dass die Nährwerttabelle in den USA anders formatiert und berechnet wird als in der EU. Sie wissen, welche Zusatzstoffe in welchem Land deklarationspflichtig sind. Regulatorische Expertise schützt Sie vor rechtlichen Fehltritten.
2. Konsequentes Terminologie-Management
Inkonsistenz in der Terminologie stört Kund:innen ebenso wie Behörden. Durch den Einsatz von Termdatenbanken und Translation Memory wird sichergestellt, dass Fachbegriffe oder spezifische Markennamen über alle Dokumente und Sprachen hinweg einheitlich verwendet werden und die spezifischen Bedürfnisse der Corporate Language einhalten. Dies spart nicht nur Kosten bei Folgeaufträgen, sondern sorgt für eine konsistente Markenstimme.
3. Tiefgreifende interkulturelle Kompetenz
Erfolgreiche Lokalisierung passt das Produkt an die Kultur an. Ein Beispiel für die Notwendigkeit kultureller Sensibilität ist die Farbpsychologie auf Verpackungen oder die religiösen Anforderungen (Kosher, Halal). Was in einem Markt als appetitlich gilt, kann im Nachbarmarkt Abneigung hervorrufen. Kulturelle Kompetenz bedeutet auch zu prüfen, ob ein Produktname in der Zielsprache ungewollte negative Assoziationen weckt. Speziell bei diesem Aspekt ist die Zahl der Negativbeispiele erstaunlich groß.
4. Einhaltung zertifizierter Prozesse
Verlassen Sie sich auf Partner, die nachweisbare Qualitätsstandards erfüllen. Die ISO 17100 ist der internationale Standard für Übersetzungsdienstleistungen. Sie schreibt unter anderem das Vier-Augen-Prinzip vor, bei dem jede Übersetzung von einem oder einer zweiten, unabhängige:n Fachübersetzer:in revidiert wird. In der Lebensmittelindustrie, wo ein fehlendes Komma die Bedeutung einer Zutatenliste verändern kann, ist diese Absicherung unverzichtbar um höchste Genauigkeit zu garantieren.
Qualität beginnt bei der Übersetzung
Der Weg in die Regale internationaler Supermärkte ist mit Vorschriften und kulturellen Nuancen gepflastert. Wer hier an der Übersetzung spart, spart am falschen Ende und riskiert nicht nur Geld, sondern auch den guten Ruf seiner Marke.
Professionelle Übersetzungen sind eine Investition in die Produktsicherheit und die Markenakzeptanz. Sie stellen sicher, dass Ihre Botschaft so ankommt, wie sie gemeint ist: sicher, konform und appetitlich. Betrachten Sie Ihr Übersetzungsbüro daher nicht als reinen Lieferanten, sondern als strategischen Partner für Ihre internationale Expansion. Wenn die sprachliche Hürde genommen ist, kann Ihr Produkt endlich das tun, was es am besten kann: durch Qualität überzeugen.